Ein Wort zum Berliner Flughafen

Flughafen Berlin FailEs ist ja mittlerweile schon zum schlechten Witz verkommen: Berlin baut fleißig an seinem neuen Flughafen. Dieser sollte schon längt fertig sein, ist es aber noch lange nicht. Wenn unsere Hauptstadt auch auf den Gebieten der Kreativität und der kulturellen Vielfalt glänzen mag, an dieser Stellen ist die Organisation eine Katastrophe. Nun kann man das auf irgendwelche Vorschriften schieben, die eingehalten werden müssen, auf Klagen oder Verordnungen – doch die sind hier eben gar nicht das Problem. Ein anderes Beispiel: Beim Bau der Waldschlösschen-Brücke in Dresden war ganz klar das “Eine Hand wäscht die andere” – Prinzip am Werk, da die Bevölkerung dem Monstrum, das einer Eisenbahnbrücke gleicht und das zur Aberkennung des UNESCO-Weltkulturerbes führte, in großen Teilen skeptisch gegenüberstand. Jeder konnte sehen, dass man dort für viel weniger Geld eine schlanke Steinbrücke bauen könnte, die Regierungsparteien ihre Kungeleien jedoch mit den Baufirmen (die dann wahrscheinlich reichlich spendeten) abmachten und deshalb dieses Ungetüm mitten in die Dresdner Elbauen gedrückt wurde. Es gab jede Menge Klagen, die zu Verzögerungen führten usw. In Berlin hingegen sieht das anders aus, das Projekt wurde einfach völlig falsch geplant und strotzt vor Hybris. Wer sich damit näher beschäftigt, der erkennt die ständigen Eingriffe in die Planungen durch Politiker und der weiß auch um die chaotische Besetzung der Aufsichtsräte. Da sitzt einfach nur Klüngel drin, kaum Fachleute sind vorhanden und die Leute wollen einfach nur mit dem größten und besten glänzen was derzeit im Flughafenbau machbar ist – und dabei irgendwie auch nicht zuviel ausgeben. Zu Beginn war das Projekt ja als Kooperation mit privaten Baufirmen geplant, die an einer sinnlosen Ausweitung und ständigen Veränderung gar kein Interesse haben können. Dann jedoch übernahm der Staat die vollständige Verantwortung und es stimmt irgendwie nachdenklich, dass man es aufgrund dieser Entscheidung scheinbar nicht planmäßig hinbekommt. Können Bund und Länder nicht mehr effektiv bauen? Das ist die große Frage und es ist gleichzeitig auch die Frage nach der eigentlichen Verantwortung. Die will natürlich keiner übernehmen, jeweils ist ein anderer Schuld und wenn wir mal ganz ehrlich sind, macht sich Berlin aufgrund dieses Verhaltens noch mehr zum Affen als das aufgrund der Verzögerung der Fall ist. Sollten wir von unseren Politikern nicht erwarten können, dass sie sich auch ihrer (gewählten) Veranwortung stellen? Und im Zweifelsfall abdanken und den Leuten erklären, sie hätten versagt? Es scheint mir wirklich eine interessante Frage und ich kann nur hoffen, dass die Politik mal ein bißchen Druck durch die Bevölkerung bekommt. Auch ein paar neue Alternativen und nicht nur die üblichen Verdächtigen, die auch schon regierten und nicht besser aufgestellt waren, ist vielleicht sinnvoll. Natürlich nicht so ein Kasperletheater wie die Piratenpartei, die – wie ist mir immer noch schleierhaft – einfach nur von ihren Rechner und aus ihren dunklen Stuben herauskroch und sich als Alternative gerierte. Gebracht hat das leider auch nichts. Vielleicht muss auch mal eine neue Volkspartei her, die sich demokratischen Prozessen nicht verweigert und dabei trotzdem keinen Klüngel betreibt! Nachdenken tut jedenfalls Not, gerade hier in Berlin, wo sich so viele begabte und politisch aktive Leute aufhalten.

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